Der siebte Archetyp wirkt wie eine mächtige Waffe aus einer höheren Dimension in die niedere Dimension des konkreten Daseins hinein. Seine Vermögen dient der Ganzheit und erwächst aus der Sechs. Indem die Sieben das zwischenzeitlich Abgespaltene wieder ins Dasein zurückbringt, kommt ihr der Charakter eines Samens zu. Tatsächlich ist das erste Wort, das mit dem Zajin gebildet wird, das Wort „Samen“. Ein Samen verkörpert primär eine Funktion, der eine elterliche Polarität vorausgeht. So kommt der Begriff und somit das erste Zajin erst am dritten Schöpfungstag in Gen 1:11 vor, also auffällig spät. Dann aber erscheint der betreffende Wortstamm „Samen“ (orz / 7-200-70) gleich dreimal. Dreimal bildet Zajin in Form des Anfangsbuchstaben einen neuen Anfang. Mit anderen Worten: Über das Zajin erscheint aller Anfang in Form der Triade.
Sobald der Samen aufgeht, erwächst aus ihm eine neue Sechs und schließlich eine neue, veränderte Sieben, welche wiederum auf neue Weise „sät“. Insofern entsteht ein immerwährender, rückgekoppelter Kreislauf, den man in der wissenschaftlichen Sprache als Fraktal bezeichnet. Die biblische Genesis bedient sich eines sogenannten sprachlichen Doubles und spricht vom „samenden Samen“ (Gen 1;11f; 1:29).
Jeder neue Anfang verkörpert seinem Archetyp entsprechend das Samen-Prinzip auf seine Weise. So ist der zweite Wortstamm, der mit dem Zajin gebildet wird, der Begriff „männlich“ (זכר / 7-20-200). Er erscheint am 6. Schöpfungstag in Gen 1:27. Die Sechs (Y) ist eine zweifache Triade. Das zweite Wort, das über Zajin gebildet wird, hat auch eine zweite Bedeutung. Neben „männlich“ (hebr. sachor) bezeichnet die gleiche Zahlenfolge auch das Verb „erinnern“ (Gen 8:1 u.a.)¹. Die Gleichsetzung des Männlichen mit dem Erinnern enthebt dessen Funktion seiner scheinbaren Willkür und stellt sie in den Dienst der Ganzheit. Männlichkeit will seinem Grunde nach Einheit erschaffen, weshalb sie notwendig auf das Weibliche hingerichtet ist. Das betont der biblische Kontext, indem er von der Untrennbarkeit der Geschlechter spricht: „… als männlich und weiblich schuf er sie“ (Gen 1:27 / s.a. Aufsatz „Der Mensch ist männlich und weiblich …). Bekräftigt wird die Einheit von männlich und weiblich noch einmal auf polare Weise in der zweiten Schöpfungserzählung: „Deshalb wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau kleben. Und sie werden EIN Fleisch sein.“ (Gen 2:24)
Das dritte Zajin-Wort ist das Wort „Gold“ (bhz / 7-5-2). Das Gold charakterisiert in Gen 2:11 den ersten von vier Flüssen, die das Paradies beschreiben. Als der Erste symbolisiert er die Einheit und Ganzheit, indem er ausdrücklich „das ganze Land umfließt“ (Gen 2:11). Nichts ist außerhalb von dem ewig Glänzenden. Wenn das dritte Zajin-Wort den ersten Fluss beschreibt, dann berichtet es von der universellen Triade – der Drei-Einheit.
Das vierte Wort das durch Zajin gebildet wird, ist das Wort „Hilfe“ (rzr / 70-7-200). Es hat als Repräsentant der Vier – der Formeln aller Formeln – eine ganz besondere Bedeutung. Sie wird deutlich, wenn man die Verbindung von Vier und Sieben reflektiert. Die Sieben manifestiert nach dem Vorbild der Vier die Einheit von scheinbaren Gegensätzen. Sie sorgt für die Einheit von Diesseits und Jenseits, von Berechnung und „Zufall“. Die Sieben entfaltet darin das Wesen der Vier in der Dimension des Bewusstseins. Die Vierzahl offenbart die Anwesenheit und Sinnhaftigkeit der Zwei in jeglicher Manifestation. In der Sieben erhält das gleiche Prinzip über das inzwischen hervorgetretene Bewusstsein (5) einen sozialen Aspekt. Das sozial-nützliche Andere ist die „Hilfe“. Das beschreibt die Genesis in Form eines mehrdimensional zu verstehenden Trennungsaktes: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich werde ihm eine Hilfe machen als sein Gegenüber“ (Gen 2:18). Wie einst die Zweizahl der Vierzahl, also der Manifestation (4) zu ihrem Erscheinen verhalf, so erhält nun dem gleichen Prinzip folgend der Mensch ein Gegenüber, damit er sich „manifestieren“, d.h. sich seiner selbst bewusst werden kann. Die Hilfe umfasst zwei Dimensionen. Die erste betrifft die substantielle Ebene (4), das Gegenüber von Mann und Frau. Die zweite Trennung ist die zwischen Himmel und Erde, zwischen Diesseits (II) und Jenseits, zwischen den Zahlen 4, 5 und 6 (II) und der 7 (III). Sie betrifft die geistige Ebene, die das „abgesonderte“ Bewusstsein im Bild der Ganzheit herausfordert und ihm einen spezifischen Zugang zur Sieben und zur Freiheit eröffnet. Die zwei „Bewusstseinsaspekte Mensch“ bilden endlich zusammen die dritte Dimension, die des Bewusstseins über das kosmische Ganze.
Die Trennung und das Unterscheiden der Dimensionen verlangt auch, den Begriff „Adam“ zu differenzieren. Der noch vor der Trennung genannte „Adam“ (1-4-40), dem ein Gegenüber erschaffen wird, ist noch kein Individuum namens Adam. Adam ist hier noch eine Gattungsbezeichnung und bedeutet „Erdling“. Das im Erdling wirkende Wesen ist das der Vier, weshalb seine Zahlenfolge mit der für Erde (1-4-40) identisch ist.
Das fünfte Wort das durch Zajin gebildet wird, beschreibt das Bewusstsein des Menschen, das den Erdling Adam zum Subjekt mit dem Namen Adam macht. Es ist das Hinweiswort „diese/r“ (taz / 7-1-400). Erst als der Mensch in seinem Gegenüber sich selbst erkennt und dessen Nutzen und Sinnhaftigkeit erfasst, findet er sich selbst: „Diese (ist) diesmal Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch. Zu dieser soll gerufen werden Männin…“ (Gen 2:23). Das fünfte Wort vermittelt eine mehrdimensionale Botschaft. Es erklärt nicht nur das Verhältnis der Geschlechter, sondern vor allem auch den Sinn und die Orientierung des Menschen an sich. „Diese“ weisen auf etwas hin. Sie sind ausgerichtet! Sie sind auf die Einheit, Ganzheit und Vollkommenheit hin orientiert, welche sie durch ihre Existenz offenbaren.
Das sechste und letzte Zajin-Wort vor der Vertreibung aus dem Paradies ist das Verb „verlassen“ (2-7-70-10): „Deshalb wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau kleben. Und sie werden EIN Fleisch sein.“ (Gen 2:24).
Das sechste Zajin-Wort fasst alle die konkrete Existenz ausmachenden Qualitäten noch einmal in der Beschreibung einer zweifachen Dynamik (Y) zusammen. Der sie begründende Satz hebt aus einer zweidimensionalen Polarität heraus an, aus „Vater und Mutter“ und „Mann und Frau“. Aus dem Anerkennen der Polarität entwickelt sich eine zweifache Dynamik, das Verlassen und das Kleben. Alle Qualitäten stehen unter der Regie der EINS. Dank der aus dem Unberechenbaren wirkenden Sieben erscheinen sie dann auch im konkreten Dasein, denn sie werden „EIN Fleisch“.