Was diese Zahl erzählt:

Was diese Zahl erzählt:

Die 5 Finalbuchstaben des hebräischen Alphabets

von Michael Stelzner

Inhaltsverzeichnis

1. Das Wesen der Finalbuchstaben

Das aus 22 Buchstaben bestehende hebräische Alphabet kennt fünf Buchsstaben, die in zweierlei Formen erscheinen, die sogenannten Finalbuchstaben. Steht einer der fünf Buchstaben am Ende eines Wortes, so bekommt er ein anderes Aussehen. Der Buchstabe bekommt entweder einen Unterstrich und reicht so weiter in die Tiefe oder er wird, wie im Falle des „Mem“ eckiger und kantiger als die Standardform.

Kaf (20) k K     Mem (40) m M     Nun (50) n    N     Pe (80) p P     Zade (90) o   X 

Der Wandel der Form eines Buchstabens zum Finalbuchstaben verrät zugleich ihren Sinn. Die Finalbuchstaben sind subtiler als ihr Original aus dem sie hervorgehen. Sie «gehen in die Tiefe» und erhellen im Hinblick auf das «drohende Ende» das wahre Wesen des jeweiligen Urtyps.

Alle fünf befinden sich nicht zufällig in der Reihe der Zehner und somit in der zweiten der drei Dimensionen (siehe Abb. 2). Die Zahl Zwei und ihr Wiederhall im Bewusstsein (5) erzählen von der rechten Perspektive auf die Polarität allen Daseins. 

Der Archetyp der Zwei ist es, welcher zum einen die Differenz und das Differenzieren hervorbringt, zum anderen aber auch einen möglichen Zwist verursacht. Jene Urspannung wird vom Bewusstsein (5) reflektiert. Das aber wird von dieser Spannung selbst getragen. 

Das schauende Subjekt kann ein Bewusstsein entwickeln, das selbst die extremen Unterschiede zu überwinden vermag. Der denkbar größte und zumeist schmerzlich empfundene Unterschied ist „der zum Ende hin“. In der Flussform der Zahlen (Abb. 1) spiegelt die Fünf die Eins und befindet sich selbst in der Position eines Zweiten. Wie jede Zahl nur IST, weil sie ihren Eigenwert daraus empfängt, dass sie „auf den Anfang hin“, alias auf die EINS bezogen ist, so ist das Individuum (5) nur eines, weil es auf die Gottheit, die Einheit und Ganzheit schaut und sich auf sie bezieht. Das Bewusstsein des Menschen nimmt aus der „Position der 5“ heraus sowohl den Anfang (1) als auch das Ende (5) war. Letzteres verkörpert es selbst! Was dem profanen Subjekt noch droht, das wird im Individuum zur Erfüllung.

Abb. 1   1-5 Das Subjekt (5) und die Gottheit (1) stehen in einem Spiegelverhältnis.

Aus der linearen, nicht triadischen Sicht nimmt sich der Mensch als das Ende wahr.

Die Rettung des Bewusstseins (5) besteht in der Ergründung seiner wahren Existenz. In dem der Mensch tief in den Urgrund der Dinge vordringt, erlebt er seine Rettung und Erhöhung. Diese Verwurzelung in der Tiefe symbolisieren die fünf Finalbuchstaben. Wie sie darf ein Individuum in seinem Verhalten dem Zweiten, dem scheinbar Negativen oder den (eckigen) Bruch in den Dingen nicht ausweichen, sondern muss tief zu seinem Urgrund herabsteigen. Insofern haben die Final- oder Endbuchstaben im Überschreiten der herkömmlichen Dimension eine richtungsweisende Funktion.

Will man das Wesen einer Erscheinung ergründen, so geht man zu deren Anfang. Das gilt insbesondere für die biblischen Texte und so auch für die Finalbuchstaben. Die Frage, wo sie erstmals vorkommen führt uns zum Prolog der biblischen Genesis. Der gebraucht sie in Form von Subjekten bzw. Substantiven, welche die besagte Spannung transportieren. Es sind „die Götter“ (Elohim) und „die Himmel“ einerseits und die „Urtiefe“, „die Wasser“, die „Erde“ und die „Finsternis“ andererseits (siehe Anhang). Aus ihrer Existenz heraus nimmt die Spannung ihren Lauf. Aber bereits im vierten Satz, dem Finalsatz des Prologs, deutet sich das ganzheitliche, göttliche Sein an: « … Und (der) Geist (der) Gottheiten (war) flatternd über (der) Oberfläche der Wasser“ (Gen 1,2).

Die von der Fünfzahl der Finalbuchstaben veranschaulichte Spannung, die „zum Ende aller Dinge hin“ im Bewusstsein der Subjekte (5) auftaucht, spiegelt sich in der notwendig begrenzten Anzahl von 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Um seine Teile im Kontext eines allumfassenden Ganzen sehen zu können bedarf es der triadischen Sicht. Die Anordnung der 22 über drei Ebenen hinweg lässt im „Fehlen“ von fünf Buchstaben eine Spannung aufscheinen, die sich aus triadischer Sicht  als ein Ganze erlöst.

Abb. 2   Das hebräische Alphabet und die ihm zur «Vollkommenheit» der 27 (33) „fehlenden“ fünf (Final-) Buchstaben. Ihre Botschaft ist die vom göttlichen Bewusstsein (5).

Dass «am Ende der 22» in der dritten Dimension «nur» vier Zahlenwerte (100, 200, 300 und 400) stehen, ist die abschließende Botschaft der Ordnung der hebräischen Buchstaben. Die Vier kündet nicht nur vom (Ver)Fehlen. Sie ist zugleich die höchste Dimension und sie IST es gerade wegen der hohen Bedeutung der Vierzahl. Das Fehlen und die mit ihm daherkommende Lücke bleiben auch aus der Sicht der fraktalen Entwicklung der Triade, denn ihr fehlen 5 Buchstaben alias Zahlen. Nur wenn aus der ursprünglichen und maßgebenden Dreizahl endlich 33 = 27 Teile entstehen würden, wäre aus der triadischen und fraktalen Sicht auch das Ganze sichtbar. Das wird möglich durch ein reifes Bewusstsein (5), welches die Lücke schließt. Das übernehmen die fünf Finalzahlen. Im Anerkennen und der Erhöhung des Zweiten, Letzten und scheinbar fehlerbehafteten „absteigenden“ und „eckigen“ Daseins fügen sie das Teilhaftige zu einem Ganzen zusammen.

2. Die Finalbuchstaben im Prolog der biblischen Genesis

Der erste in der Genesis vorkommende Finalbuchstaben ist das Mem ( m / siehe Abb. 2). Als der Erste kommt ihm die Funktion eines Archetyps zu, der in besonderer Weise vom Wesen der Finalbuchstaben erzählt. Das macht er über seinen Reihenwert 13, seinen Zahlenwert 40 und sein Bildsymbol, das Wasser.

Als Repräsentant der Zahl 13 übersteigt das Mem die 12, die Zahl der wahrgenommenen Ordnung. Über diese Eigenschaft entsteht ein Anderes und Zusätzliches, das erkennbar auf auf den Grundbuchstaben aufbaut. Das Mem bleibt ein Mem. Seine Bedeutung wird jedoch durch seine nunmehrige Endposition erweitert. Diese Wesensart teilt das Mem mit den anderen Finalbuchstaben. Sie alle bauen auf ihren Grundbuchstaben auf. In ihrem Erheben über ihn entfalten sie sodann die Eigenschaft des Anderseins.

Schon im Ersten seiner Art, dem Mem erzählen sowohl sein Reihenwert 13 als auch sein Zahlenwert 40 (bzw. 600) vom Wesen des Übersteigens an sich. Die 13 übersteigt die Ordnung der 12 und die 40 übersteigt die Substanz der 4. Ihre Existenz legt den Grundstock für eine höhere Daseinsform, in welcher das einstige «Finale» alias das Ende eine andere Bedeutung bekommen.

Die Botschaft ist die Grundbotschaft jeder Religion. Der Prolog der biblischen Genesis 

vermittelt sie durch drei der fünf Finalbuchstaben, das Kaph [offene Hand], das Sade [Angelhaken] und das Mem [Wasser]. Wir finden die drei in den 6 verschiedenen Worten: «Elohim»[2x], «die-Himmel», «Erde»[2x], «Finsternis», «Urtiefe» und «die-Wasser». Da die zwei Begriffe «Elohim» und  «Erde» je zweimal vorkommen, enthält der Prolog insgesamt 8 (= 23) Finalbuchstaben. Die zwei zweimal vorkommenden Begriffe «Elohim»[2x], und «Erde»[2x] greifen das Ur-Thema der Polarität, im Bild der Urspannung zwischen der Gottheit alias der Einheit und Vollkommenheit (1) und der widerspenstigen Substanz (4) alias der Erde auf. Die zwei scheinbar gegeneinanderstehenden Begriffe erfassen sie im Bild der ersten aller denkbaren Formeln, der «Ur-Formel 1-4». Die scheinbar eine Gottheit (1) und die über sie aufgehende vielfältige Substanz (4) erzählen von der anderenorts beschriebenen «Formel der Verwandlung». 

Was wir hier am Beispiel der Finalbuchstaben im wörtlichen Sinn im Kleinen buchstabieren können, das erzählt und entfaltet der Prolog auf fraktale Weise als Ganzes. Deshalb besteht der Prolog aus vier Sätzen, die zusammen ein Heiliges, d.h. eine Einheit und Ganzheit bilden.

1 x  Kaph [= offene Hand / 20 500] in finaler Position im Wort «Finsternis»

2 x  Sade  [= Angelhaken / 90 900] in finaler Position im Wort  «Erde»[2x]

5 x  Mem [=     Wasser     / 40 600] in finaler Position in den Wörtern «Elohim»[2x],

«die-Himmel», «Urtiefe», «die-Wasser».

Abb. Die drei im Prolog vorkommenden der insgesamt 5 existierenden Finalbuchstaben in alphabetischer Folge.

Die fraktale Struktur der sich stets erlösenden Polarität beginnt nicht erst mit der Beziehung der Buchstaben zueinander, wie das der Gottesbegriff «Elohim» und der Substanzbegriff «Erde» über die Finalbuchstaben zu erkennen geben. Wir finden sie, wie dargelegt schon viel früher im Buchstaben Mem und seinem Symbol dem Wasser. Um die fraktale Sicht zu ergänzen, werfen wir noch einen weiteren Blick auf das Wesen des Mem und seiner Stellung im Prolog.

Das Mem ist zwar der erste Finalbuchstaben im Prolog, doch ist er in dem maßgebenden Alphabet der zweite Finalbuchstabe. Gegensatz und Einheit von Eins und Zwei erzählen von der ersten aller Spannungen, der Urspannung zwischen dem Archetyp der Einheit (1) und der Polarität (2). Blickt man mit diesem Wissen nochmals tiefer in die fraktale Struktur, so gelangt man zu dem ersten Finalbuchstaben im Alphabet, dem Kaph. Es ist nicht nur der erste der Finalbuchstaben, es ist zudem der 11te Buchstabe im Alphabet. Sein Zahlenwert ist die 20, also die in eine höhere Dimension erhobene Zwei. Die 11 ist die Symmetriezahl. Sie ist es, weil sie zwei Daseinsebenen, die der Einer und die der Zehner jeweils als Abbild der Einheit (1) abbildet und zu einem einheitlichen Ganzen werden lässt. Das ist die Qualität, die das Andere und scheinbar Niedere, eben das «Zweite» ins göttliche Licht der Ganzheit rückt. Es ist die Qualität, die aufbauend auf der Fähigkeit des Handelns im Sinne des Tuns (siehe den 10ten Buchstaben, das Jota / die Hand) die besondere Fähigkeit der offenen Hand im Sinne ihres Empfangens verwandelt.

Das Wissen über die Buchstaben des hebräischen Alphabets eröffnet einen Zugang zum Gottesbegriff Elohim, in dem erstmals ein Finalbuchstabe, das Mem erscheint. Bezeichnenderweise hat es hier wie auch in den Begriffen «die-Himmel» und «die-Wasser» die Funktion, die Pluralität anzuzeigen. Der Begriff der Gottheit «Elohim» ist ein Pluralbegriff, der im strengen Wortsinn «die Götter» bedeutet. Dennoch handeln diese «Götter» im Sinne der alles umfassenden Einheit, was das Verb «schöpfen» (bara / 2-200-1) verrät, das im Prolog eindeutig singulär gebraucht wird. Das eigenartige Zusammenfließen von Plural und Singular verstört den Leser, der sich notwendig des lineargeordneten Alphabets bedient. Wörtlich liest er: «Im-Anfang die-Götter schuf …». Die schon im Handeln der Gottheit liegende Spannung des «einen Gottes» erschließt sich dem Leser in den nachfolgenden Texten über das Wesen der Vielheit. 

3. Anhang

Die 4 Sätze bzw. 19 Buchstaben des Prologs in wörtlicher Linearübersetzung (Gen 1:1-2)

I

tyviareB. H7225

ar’B‘ H1254

~yhil{a/ H430

tae H853

~yIm;V’h; H8064

taew> H853

#r,a’h‘ H776

Im-Anfang

schuf

Elohim (Götter !)

** 

die-Himmel

UND-**

die-Erde.

2-200-1-300-10-400

2-200-1

1-30-5-10-40

1-400 

5-300-40-10-40

6-1-400

5-1-200-90.

   
  1.  
   

II

#r,a’h’w> H776

ht’y>h‘ H1961

Whto H8414

Whbow“ H922

Und-die-Erde

sie-ist

Verlangen

 und-Gegenverlangen.

6-5-1-200-90

5-10-400-5

400-5-6

6-2-5-6 

   
  1.  

III

%v,xow> H2822

ynEP.-l[; H6440 H5921

~Aht. H8415

Und-Finsternis

über─d.Oberfläche

d.-Urtiefe.

6-8-300-20

70-3080-50-10

400-5-640

   

IV

x;Wrw> H7307

~yhil{a/ H430

tp,x,r;m. H7363

ynEP.-l[; H6440 H5921

~yIM’h; H4325

Und-d.-Geist

Elohims

flatternd

über─d. Oberfläche

der-Wasser

6-200-6-8

1-30-5-10-40

40-200-8-80-400

70-3080-50-10

5-40-10-40

     

Fußnoten

¹ In der ägyptischen Mythologie wird die in der Fünfzahl verborgene, besondere Aufgabe des Bewusstseins in den sogenannten fünf Epagomenen, „ die fünf Tage auf dem Jahr“ illustriert. Sie werden der scheinbaren Rundzahl von 360 Tagen hinzugefügt und galten als Geburtstage von fünf der wichtigsten Götter. Es waren gefährliche Tage, die das Bewusstsein besonders herausforderten.

Im Islam schlägt sich die Zahl Fünf und die über sie entstehende Herausforderung für das Bewusstsein in seinen fünf Pfeilern nieder, die da sind, das Glaubensbekenntnis, die Pflichtgebet (5x), das Fasten, die Almosen und die Pilgerfahrt.

Im Christentum finden wir die durch die Fünfzahl entstehende, besondere Herausforderung u.v.a. in den fünf „Ich-bin …“ – Worten“ Jesu. Das in der Fünfzahl anstehende, rechte Unterscheiden wird auch im Gleichnis von den 5 klugen und den 5 törichten Jungfrauen thematisiert.

² Das Bild von der 600 und das mit ihm eintretende Erheben über die alten Verhältnisse erzählt die Genesis in der Sintflut-Erzählung. Noah war 600 Jahre alt als die Sintflut kam und er sich über das Bewusstsein des erdverhafteten Volkes erhob (1.Mose 7:6).

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